Petr Málek
„ Wo ist mein Platz?“ – Richard Weiner und die Frage nach der jüdischen Identität:
Der moderne Künstler als „Fremder“
– „Where is my place?“ – Richard Weiner and the Question on Jewish Identity:
the modern Artist as „Stranger“

Weiners Frage „Wo ist mein Platz?“ impliziert ein allgemeines Ergründen des Standorts eines jüdischen Künstlers und seines Verhältnisses zur Gesamtheit der nationalen Kultur. Die Frage nach der jüdischen Identität Weiners wirft gleichzeitig ein ganzes Spektrum an Fragen auf nach den Strategien zur Ausformung des „Fremdseins“ beim modernen Künstler. Die Studie beschäftigt sich mit den Themen Fremdheit und Identitätssuche in Weiners Werk sowie mit seinem Verhältnis zur Sprache, die er mit einem Gebrauch belädt, welcher von Deleuze und Guattari in Bezug auf Kafka als ‚minder‘ oder ‚intensiv‘ bezeichnet wird, so dass das Schreiben zur Erfahrung eines Fremden in der eigenen Sprache wird.

Weiner’s question asking „Where is my place?“ in general implies the Jewish artist’s discovery of his location and his relationship to the totality of national culture. The question on Weiner’s Jewish identity opens up a broad spectrum of questions with respect to strategies on how „alienation“ takes shape in the modern artist. The study concerns itself with issues such as alienation and the search for identity in Weiner’s work as well as with his relationship with language, which he encumbers with a practice that Deleuze and Guattari in reference to Kafka describe as „minor“ or „intense“ to where  the writing process turns into the experience of being a stranger in one’s own language.

Frei zugänglich ab Mitte 2018, kostenpflichtig ab sofort bei CEEOL.

Seiten: 129 – 152

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Katja Wetz
Synkretismus und Poetik der Distanz in Richard Weiners “Obnova (Die Erneuerung)”
– Syncretism and poetics of distance in Richard Weiner’s “Obnova (The Renewal)”

Über die ungewöhnliche Erzählsituation eines Verstorbenen, der aus dem Fegefeuer berichtet, werden in Richard Weiners Erzählung Die Erneuerung [Obnova] jüdische und christliche Vorstellungen amalgamiert. Das jüdische Trauerritual sorgt für die Plot-Struktur der Erzählung und das Fegefeuer gibt dem Erzählort eine konkrete Anschauung. Trotz dieser grundlegend religiösen Anlage der Erzählung, lässt sich die Entwicklung, die der Erzähler nimmt, mit der modernen Mystik ohne Gott kurzschließen. Grundlegend sowohl für die Darstellung als auch für die Semantik der Erzählung lässt sich Distanz als poetische Strategie festmachen.

Using the unusual perspective of a deceased person, who reports from purgatory, Jewish and Christian notions are merged in Richard Weiner’s narrative Renewal [Obnova]. The Jewish mourning ritual provides the narrative with a plot structure and the purgatory gives the scene a concrete setting. Despite of a fundamentally religious composition of the narrative, the course the narrator takes in the narrative can be associated with a godless modern mysticism. As a basis for the illustration as well as for the semantics of the narrative, distance serves as poetic strategy.

Frei zugänglich ab Mitte 2018, kostenpflichtig ab sofort bei CEEOL.

Seiten: 153 – 168

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Peter Zusi
Beyond the Uncanny: Weiner’s War and Kafka’s Message
– Jenseits von dem Unheimlichen: Weiners Krieg und Kafkas Botschaft

Der Artikel präsentiert ein close reading von Richard Weiners Erzählung “Kostajnik” (1916), die den emotionalen Aufruhr eines tschechischen Offiziers porträtiert, als dessen österreichische Einheit am gleichnamigen Berg auf serbische Truppen trifft. Der Kostajnik fungiert dabei als ein Symbol des Unheimlichen, was in außergewöhnlichem Maße Freuds berühmten Essay “Das Unheimliche” (1919) vorwegnimmt. Allerdings transformiert Weiner dieses Symbol auf eine Art und Weise, die über Freuds Unheimliches hinausgeht. Eine vergleichbare Verschiebung lässt sich in Kafkas kurzem Text “Eine kaiserliche Botschaft” (1919) erkennen, weshalb hier vorgeschlagen wird, in solchen Überschreitungen für gewöhnlich erwarteter interpretativer Kategorien ein gemeinsames Merkmal von Kafkas und Weiners Modernismus zu sehen.

This article presents a close reading of Richard Weiner’s story “Kostajnik” (1916), which portrays a Czech officer’s emotional tumult as his Austrian unit approaches Serbian forces on the mountain Kostajnik. This mountain functions in the story as a symbol of the uncanny that, to an extraordinary degree, anticipates Freud’s famous essay “Das Unheimliche” (1919). Yet Weiner transforms this symbol in a way that goes beyond the Freudian uncanny. A comparable shift is discernible within Kafka’s short text “Eine kaiserliche Botschaft” (1919); this article thus suggests that such a move beyond the interpretive categories one might expect to structure these texts constitutes a shared feature of Kafka and Weiner’s modernism.

Frei zugänglich ab Mitte 2018, kostenpflichtig ab sofort bei CEEOL.

Seiten: 169 – 180

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