Schwerpunkt: Romantik in Böhmen
Steffen Höhne
Ausdifferenzierungsprozesse im publizistisch-literarischen Feld zwischen landespatriotischen und nationalen Orientierungen nach 1800 in Böhmen
– Processes of differentiation in journalism and literature between patriotic and national orientation after 1800 in Bohemia

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts setzten in der Habsburgermonarchie kulturell-literarische, politische und soziale Prozesse ein, die den Zeitraum bis 1848 und darüber hinaus prägten. Prag, nicht von französischen Truppen besetzt, avancierte in der Endphase der Napoleonischen Herrschaft zum Mittelpunkt der politischen und literarischen Opposition, die eine intensive landespatriotische und sprachnationale publizistische Aktivität entfaltete. In dieser ‚romantischen‘ Phase beeinflussten sich böhmische, tschechische, deutsche und österreichische Ideen und Positionen wechselseitig.

At the beginning 19th century in the Habsburg monarchy, literary, political and social developments began that continued to shape the period up to 1848 and on. Prague, not occupied by French troops, advanced in late Napoleon rule to a center of the political and literary opposition against Napoleon, which developed an intensive patriotic and national journalistic activity. During this ‘romantic’ period we find a mutual influence of Bohemian, Czech, German and Austrian ideas and positions.

Frei zugänglich bei CEEOL.

PDF Seiten: 11 – 24

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Anne Hultsch
Wiedergeburt ‚von unten‘: Jakub Jan Ryba (1765-1815)
– ‘Reborn from Below’: Jakub Jan Ryba (1765-1815)

Der Lehrer, Kantor und Komponist J. J. Ryba bekannte sich nicht nur theoretisch zu seiner tschechischen Muttersprache, sondern wertete sie praktisch auf, indem er in ihr sowohl wissenschaftliche Texte verfasste als auch geistliche Musik komponierte. Außerdem trug er durch die Vertonung akzentuierender Gedichte zur Popularisierung der neuen Prosodie bei, was hier am Beispiel der Begräbnislieder (1805) untersucht worden ist. Durch die Eingängig- und Verständlichkeit seiner Kompositionen konnte sich das akzentuierende Versprinzip schnell unter dem Volk auch außerhalb des Zentrums Prag verbreiten.

The teacher, cantor and composer J. J. Ryba dedicated himself to his Czech mother tongue both in theory and practise. He wrote scholarly texts in the Czech language and composed Czech sacred music. Additionally, he popularised the new tonic prosody by settings of poems written in accentual verse. This trend is particularly evident in Ryba’s Funeral Songs (1805). Because of their clarity and the fact that they were easy on the ear, his compositions contributed to the dissemination of accentual verse among the common people (even outside of Prague).

Frei zugänglich bei CEEOL.

PDF Seiten: 191 – 209

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Jindřich Toman
Böhmische Juden als böhmische Juden: Literarische Zeugnisse der 30er-und 40er-Jahre des 19. Jahrhunderts
– Bohemian Jews as Bohemian Jews: Literary Documents of the 1830s-1840s

Der vorliegende Aufsatz analysiert die Art und Weise, wie in den Dekaden unmittelbar vor 1848 jüdische Autoren aus Böhmen ihre Identität literarisch verhandelten. Die Hauptprotagonisten sind August Ludwig Frankl (1810-1894) und Siegfried Kapper (1820-1879). Im Vordergrund steht Kappers auf Tschechisch veröffentlichte Gedichtsammlung České listy (1846), die hier als Zeugnis einer sich wandelnden Einstellung der böhmischen Juden zur Habsburger Monarchie interpretiert wird. Kapper zeigt ein verstärktes Interesse am Lokalen, d. h. Böhmischen bzw. Tschechischen; seine Position lässt dabei den Einfluss sowohl des böhmischen Landespatriotismus als auch des europäischen Reformjudentums erkennen. Die von Kapper entworfene Alternative zum Imperialen wird als Vorspiel einer sozialen und kulturellen Modernisierung verstanden, die sich dann im späten 19. Jahrhundert verstärkt zu Wort meldet.

The present study analyzes the ways in which nineteenth century Jewish writers from Bohemia negotiated their identity. The main protagonists are two poets of the decades preceding 1848, August Ludwig Frankl (1810-1894) and Siegfried Kapper (1820-1879). Kapper’s poetry collection České listy (1846) is particularly significant. It is analyzed here in detail as a testimony of a changing attitude of Czech Jews to the Habsburg monarchy. Kapper shows a strong interest in Bohemia and the Czechs while showing traces of Bohemian Landespatriotismus as well as of Reform Judaism. His alternative to the Imperial is understood as a prelude to a social and cultural modernization that became increasingly influential in the late 19th century.

Frei zugänglich ab Mitte 2018, kostenpflichtig ab sofort bei CEEOL.

Seiten: 37 – 52

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