Walter Schübler
„Der Börsejud als Übermensch“ oder Anton Kuhs Anamnese der jüdischen Moderne und
deren Rezeption in Prag
– “The Jewish Stock-Jobber as Übermensch” or: Anton Kuh’s Anamnesis of Jewish Modernity and
Its Reception in Prague

In seinem Aufsehen erregenden Essay Juden und Deutsche (1921) entwirft Anton Kuh (1890-l941) gegen die formelhafte Alternative der jüdischen Moderne – Assimilation oder Zionismus – ein drittes Modell jüdischer Identität, indem er die Exterritorialität der Diaspora in eine kosmopolitische Mission umdeutet. Zwei Stegreif-Vorträge, bei denen er seine provokanten Thesen zur Diskussion stellt, sind nicht nur Prager „Gesellschafts-Sensationen“ – Max Brod bricht aus diesem Anlass auch eine Lanze für den ernst zu nehmenden „schöpferischen Denker“ Anton Kuh, und Felix Weltsch attestiert dem „bösartigen Entdeckerauge“ Kuhs „verblüffende Entschleierungen“.

In his essay Juden und Deutsche (1921) [Jews and Germans], which caused a sensation, Anton Kuh (1890–1941) conceptualizes a third model of Jewish identity against the formulistic alternative of Jewish modernity, i.e. assimilation or Zionism. In this model he reframes the exterritoriality of the diaspora into a cosmopolitan mission. Two of his impromptu speeches, in which he presents his provocative theses, are not only “societal sensations” in Prague – Max Brod uses this occasion to champion the “creative thinker” Anton Kuh, and Felix Weltsch attests the “malicious exploring eye” of Kuh “astonishing unveilings”.

Frei zugänglich bei CEEOL.

Seiten: 54 – 64

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