Schwerpunkt: Romantik in Böhmen
Steffen Höhne
Ausdifferenzierungsprozesse im publizistisch-literarischen Feld zwischen landespatriotischen und nationalen Orientierungen nach 1800 in Böhmen
– Processes of differentiation in journalism and literature between patriotic and national orientation after 1800 in Bohemia

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts setzten in der Habsburgermonarchie kulturell-literarische, politische und soziale Prozesse ein, die den Zeitraum bis 1848 und darüber hinaus prägten. Prag, nicht von französischen Truppen besetzt, avancierte in der Endphase der Napoleonischen Herrschaft zum Mittelpunkt der politischen und literarischen Opposition, die eine intensive landespatriotische und sprachnationale publizistische Aktivität entfaltete. In dieser ‚romantischen‘ Phase beeinflussten sich böhmische, tschechische, deutsche und österreichische Ideen und Positionen wechselseitig.

At the beginning 19th century in the Habsburg monarchy, literary, political and social developments began that continued to shape the period up to 1848 and on. Prague, not occupied by French troops, advanced in late Napoleon rule to a center of the political and literary opposition against Napoleon, which developed an intensive patriotic and national journalistic activity. During this ‘romantic’ period we find a mutual influence of Bohemian, Czech, German and Austrian ideas and positions.

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Seiten: 11 – 24

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Ludger Udolph
Die Anfänge des Romantik-Begriffs im Tschechischen
– The Concept of Romanticism in Czech Literature: The Beginnings

Der Aufsatz behandelt die Diskussion der Begriffe ‚romantisch‘ und ‚Romantik‘ in der tschechischen Literatur zwischen 1804 und etwa 1840. ‚Romantisch‘ wird verwendet als (Un- ter-)Titel bei tschechischen und aus dem Deutschen übersetzten Erzählungen und Dramen; eine eindeutige Bestimmung ist dabei kaum möglich, meistens sind damit historische und sagenhafte Stoffe bezeichnet. Sodann gibt es die auch in älteren Handbüchern zu findende Bedeutung als ‚romanhaft‘ und als Bezeichnung für die christliche mittelalterliche Ritterdichtung. ‚Romantisch‘ kann auch eine Eigenschaft epischen Erzählens innerhalb des klassizistischen Kanons bezeichnen (Hněvkovský). Als allgemein-ästhetischen, positiv konnotierten Begriff findet man ihn bei Jungmann. Für Palacký ist ‚romantisch‘ als Oppositionsbegriff zu ‚klassisch‘ unbrauchbar; unter dem Eindruck von Máchas Máj, von Byron und der französischen Romantik wird dann das Romantische vor allem aus moralischen Gründen verworfen (Kollár).

This paper deals with the discussion of the concepts of ‚romantism‘ and ‚romantic‘ in Czech literature between 1804 and 1840. ‚Romantic‘ is used as a title both in Czech language stories and dramas, and in those translated from German. A clear definition can hardly be given, but ‚romantic‘ here largely deals with historical and legendary themes. Like in 18th century poetical manuals, ‚romantic‘ means ‚novelistic‘ or ‚in the manner of medieval Christian chivalry‘. ‚Romantic‘ then means a kind of narrative within a classical work. As a common aesthetic concept we find ‚romantic‘ in the works of Jungmann. Palacký rejected it as a pendant to ‚classical‘.Under the impression of Mácha, Byron and French Romanticism, Kollar rejected ‚romantism‘ and ‚romantic‘ on moral grounds.

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Seiten: 25 – 43

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Dalibor Tureček
Die tschechische Romantik
– Czech Romanticism

Die Arbeit stellt einen Versuch dar, tschechische Romantik als einen innerlich mehrseitigen Prozess zu modellieren. Zuerst werden die Erkennungsmerkmale festgestellt, die man auf der Thematischen sowie poetischen Ebene der diesbezüglichen Texte finden kann. Dann werden drei Grund-Modalitäten vorgeschlagen (patriotische Romantik, subjektive Romantik, Biedermeier als Kontrafaktur). Folgende wechselseitige Interferenzen von diesen Kategorien fanden dann in der tschechischen Literatur durch die ganze erste Hälfte des 19. Jahrhunderts ihren Platz.

This work attempts to represent Czech Romanticism as an internally multilateral process. First, the characteristic features are established, which can be found on the thematic and poetic level of the relevant texts. Then there are three basic modalities proposed (patriotic romance; romance subjective; “Biedermeier as Kontrafaktur”). The following mutual interference of these categories then found their place in Czech literature through the whole first half of the 19th century.

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Seiten: 45 – 73

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Tomáš Hlobil
Die Ästhetik der deutschen Romantik in den Ästhetik-Vorlesungen an der Prager Universität 1800 bis 1820
– German Romantic Aesthetics in Lectures at Prague University, 1800–20

Das Ziel der Studie ist zu erfassen, ob und wie das Gedankengut der deutschen romantischen Ästhetik in den an der Prager Universität während der ersten beiden Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts gehaltenen Ästhetikvorlesungen verbreitet wurde. Ihr Kernstück bildet die Analyse der Vorlesungen von Johann Heinrich Dambeck (1774–1820).

This article aims to demonstrate the extent to which the ideas of German Romantic aesthetics were disseminated in aesthetics lectures at Prague University in the first two decades of the nineteenth century. The core of the essay is an analysis of the lectures of Johann Heinrich Dambeck (1774–1820).

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Seiten: 75 – 89

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Kurt F. Strasser
Bernard Bolzano und Franz Grillparzer oder Libussas verschiedene Gesichte
– Bernard Bolzano and Franz Grillparzer: various views of Libussa

a) In der Figur der Libussa spiegelt sich die Hoffnung des jugendlichen Bolzano (1796) und die Hoffnungslosigkeit des reifen Franz Grillparzer (1848). b) In Böhmen treffen die alte, mitteleuropäisch- universalistische Kulturtradition und die neue, westeuropäisch-nationalistische aufeinander c) Die Wiedererweckung und Erneuerung der böhmischen Kulturtradition, Bolzanos Anliegen, scheitert. Für Grillparzer bedeutet der Untergang und die verhinderte Erneuerung der österreichisch-mitteleuropäischen Kulturtradition den Verlust der europäischen Kultur schlechthin.

a) In the figure of Libussa, the magic foundress of Prague, we can find reflected the hope of the young philosopher Bernard Bolzano (1796) as well as the despair of the older poet Franz Grillparzer (1848). b) In Bohemia, two different cultural traditions met – the old Central European universalist and new Western European nationalist processes of civilisation c) Bolzano and Grillparzer, both fought the nationalist way, but failed in their struggle for keeping and renewing the old universalist tradition. Grillparzer, in particular, interprets the defeat as the loss of European culture tout court.

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Seiten: 91 – 102

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Václav Petrbok
Theodor Körner in Böhmen
– Theodor Körner in Bohemia

Der Artikel befasst sich mit der Rezeption des Lebens und des Werkes von Dichter Theodor Körner (1791-1815) in der deutschsprachigen und tschechischen Literatur in den Böhmischen Ländern. Besonders hervorgehoben ist dabei die Verwandlung der Vorstellung vom „Kriegshelden“ Theodor Körner in den drei Phasen der Rezeption: von 1815 in die 1870er-Jahre, von ca. 1880er-Jahren bis 1914 und weiters bis auf die Zeit nach 1938.

This article deals with the reception of the life and work of Poet Theodor Körner (1791-1815) in German and Czech literature in the Czech lands. The transformation of the idea of the “war hero” Theodor Körner is particularly emphasised in the three phases of its reception: from 1815 to the 1870s, from about the 1880s to 1914 and on to the time after the year 1938.

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Seiten: 103 – 128

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Eduard Schreiber
Kleist in Böhmen
– Kleist in Bohemia

Der Beitrag folgt den Spuren Heinrich von Kleists während seines sechsmonatigen Aufenthalts in Böhmen, vor allem in Prag. C. F. Dahlmann, der zusammen mit Kleist reiste, schrieb 40 Jahre später seine Erinnerungen, die aber keine Chronologie dieser Reise sind. Zwei wichtige Personen, der Polizeikommissar A.C. Eichler und der Kupferstecher, Maler und Restaurator J. K. Burde, bei dem Kleist und Dahlmann wohnten, werden ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt.

This paper follows the footsteps of Heinrich von Kleist during his six-month stay in the Bohemia, especially in Prague. C. F. Dahlmann traveled with Kleist and wrote his memoir 40 years later; they contain, however, no chronology of this journey. Two important people, the police commissioner A. C. Eichler and the engraver, painter and restorer J. K. Burde, with whom Kleist and Dahlmann lived, will be the focus of attention.

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Seiten: 129 – 141

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Sibylle Höhne
Die Verarbeitung böhmischer Quellen in der „Gründung Prags“
– Interpretations of Bohemian sources in „Gründung Prags“

Der Beitrag untersucht Brentanos Verarbeitung der böhmischen Chroniken in dem Drama Die Gründung Prags, wobei vor allem die von Hájek von Libočan sowie A. Kayssarows und K. G. Antons Darstellung der slavischen Götterwelt Eingang in den Text fanden. In Brentanos romantischem Geschichtskonzept bildet der Libussa-Mythos den Ausgangspunkt für die Darstellung eines Staatsgründungsprozesses eingebettet in den Machtkampf der Geschlechter, ein schon in den Chroniken angelegter säkularer Prozess. In diesem historischen Ablauf artikulieren sich metaphysische Kräfte, die auf eine christliche Glaubenswelt weisen, welche Brentano in einer geplanten Fortsetzung des Dramas realisieren wollte.

This paper deals with the sources that Clemens Brentano used for his drama Die Gründung Prags (“The Foundation of Prague”). Important for the drama are the chronicles from Hájek von Libočan and A. Kayssarows and K. G. Antons’ depictions of the Slavic world of gods. In Brentano’s concept of romantic history, the myth of Libussa is the starting point embedded in the fight of sexes, a process of secularization found in the above-mentioned chronicles. In this historical process, metaphysical power expresses itself, pointing to a Christian belief. Brentano wanted then to realize this Christian belief in the proceeding dramas.

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Seiten: 143 – 163

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Renate Moering
Achim von Arnim in Böhmen
–Achim von Arnim in Bohemia

Grundlage der aktuellen Darstellung von Arnims Aufenthalten in Böhmen sind die Materialien der historisch-kritischen Arnim-Ausgabe, vor allem die teils unbekannten Autographen der Korrespondenz zwischen Achim von Arnim und Bettine Brentano, verheiratete von Arnim. Arnim war erstmals 1810 kurz in Prag und auf dem brentanoschen Gut Bukovan, 1812 in Prag und Teplitz. Die Reiseerlebnisse seiner Kur in Karlsbad 1817 inspirierten ihn zu seiner Erzählung Fürst Ganzgott und Sänger Halbgott.

Research on the historical-critical Arnim-Edition provides the foundation of an account of Arnim’s stay in Bohemia, especially the somewhat unknown autographs of the correspondence between Achim von Arnim and his wife Bettine Brentano. In 1810 Arnim briefly visited Prague and the Brentano estate Bukowan; in 1812 he revisited Prague and Treplitz again. His experiences during his health treatment in Karlsbad in 1817 inspired his story “Fürst Ganzgott und Sänger Halbgott”.

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Seiten: 165 – 177

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Veronika Faktorová
Zur Rezeption von Alexander von Humboldts in der tschechischen Literatur. Von direkter Rezeption
zu literarischen Kontexten
– Alexander Humboldt’s Reception in Czech Literature: from Contemporaneous Reception
to Literary Contexts

Die Studie beschäftigt sich mit der tschechischen Humboldt-Rezeption im breiten Sinne, d. h. sie analysiert die Belege von den Übersetzungen und anderen Metatexte bis zum literarischen Kontexten. Die Schwerpunkt der Studie ist die Diskursivität der Reiseberichten von Alexander Humboldt und ihre Beziehungen zu den tschechischen Autoren, z. B. K. H. Mácha.

The present article is concerned with Humboldt’s reception in Czech literature, drawing a wide range of evidence from translations, other metatexts and literary contexts. In central focus is the discursivity of Humboldt’s travelogues and its relationship to Czech writers, e.g. K. H. Mácha.

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Seiten: 179 – 189

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Anne Hultsch
Wiedergeburt ‚von unten‘: Jakub Jan Ryba (1765-1815)
– ‘Reborn from Below’: Jakub Jan Ryba (1765-1815)

Der Lehrer, Kantor und Komponist J. J. Ryba bekannte sich nicht nur theoretisch zu seiner tschechischen Muttersprache, sondern wertete sie praktisch auf, indem er in ihr sowohl wissenschaftliche Texte verfasste als auch geistliche Musik komponierte. Außerdem trug er durch die Vertonung akzentuierender Gedichte zur Popularisierung der neuen Prosodie bei, was hier am Beispiel der Begräbnislieder (1805) untersucht worden ist. Durch die Eingängig- und Verständlichkeit seiner Kompositionen konnte sich das akzentuierende Versprinzip schnell unter dem Volk auch außerhalb des Zentrums Prag verbreiten.

The teacher, cantor and composer J. J. Ryba dedicated himself to his Czech mother tongue both in theory and practise. He wrote scholarly texts in the Czech language and composed Czech sacred music. Additionally, he popularised the new tonic prosody by settings of poems written in accentual verse. This trend is particularly evident in Ryba’s Funeral Songs (1805). Because of their clarity and the fact that they were easy on the ear, his compositions contributed to the dissemination of accentual verse among the common people (even outside of Prague).

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Seiten: 191 – 209

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Dalibor Dobiáš
Josef Jungmann und seine Bemühungen um einen anspruchsvollen tschechischen Vers
in den ersten zwei Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts
– Josef Jungmann and his efforts to create demanding verse forms in the first two decades
of the 19th century Czech literature

Die Experimente mit dem modernen tschechischen Vers in den ersten zwei Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts stellen ein bis jetzt fruchtbares Material dar, das wesentlich auch die Anfänge der modernen tschechischsprachigen Literatur in ihrem zentraleuropäischen Kontext erhellt. Der Aufsatz beschäftigt sich mit einem der wichtigsten Verträter dieser Experimente, Josef Jungmann (1773–1847) und seinem theoretischen und literarischen Werk. Er analysiert besonders die von Jungmann geschaffenen anspruchsvollen Versformen und ihre Motivierungen.

The experiments with the modern Czech verse in the first two decades of the 19th century provide a fertile material for analysis of modern Czech literature in its Central European context. The paper deals with one of the most important representatives of these experiments, Josef Jungmann (1773-1847), and with his theoretical and literary work. It is particularly concerned with the demanding verse forms created by Jungmann and their complex motivations.

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Seiten: 211 – 224

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Iva Krejčová
Jungmanns Ideal der Nationalliteratur im Kontext der zeitgenössischen deutschen Vorstellungen
einer modernen Nationalkultur
– Jungmann’s ideal of national literature in the context of contemporary German thought
on modern national culture

Der Beitrag reagiert auf die aktuellen literaturwissenschaftlichen Diskussionen zum Diskurs über die Formung der europäischen Nationalliteraturen des 19. Jahrhunderts. Infolge dessen wird Jungmanns Konzept der „Klassizität“ der Literatur in den Kontext deutscher Vorstellungen vom Charakter der modernen Nationalliteratur der ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts eingebettet (K. H. Pölitz, A. H. L. Heeren, die Brüder Schlegel). Mittels einer Analyse des Begriffs Klassizität in Jungmanns Werken und in den Redaktions- und Zensurkürzungen von Jungmanns Aufsatz werden im Beitrag die größeren Zusammenhänge der Dynamik von Jungmanns Programm aufgedeckt bzw. sein impliziter Dialog mit dem deutschen Milieu über literarische Vorbilder und über die Anforderungen an eine neue Nationalliteratur und ihren Kanon aufgezeigt.

This article is a response to the current discussion within literary studies on the discourse involved in the formation of 19th century European national literatures. Hence it places Jungmann’s concept of classicism in literature in the context of German ideas on the nature of modern national literature in the first decades of the 19th century (e.g., K. H. Pölitz, A. H. L. Heeren and the Schlegel brothers). By means of an analysis of the concept of classicism in Jungmann’s works and of the editorial deletions made by the censor in Jungmann’s article, this paper reveals the broader context behind the dynamism of Jungmann’s programme, and his implicit dialogue with the German-speaking sphere regarding literary models as well as the needs of national literature and its canon around that time.

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Seiten: 225 – 244

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Alena Jakubcová
Verlassen und verloren: Die Heimat in Angelina von František Turinský
– Left and lost: The homeland in František Turinský’s Angelina

Die Studie beantwortet die Frage, welche Rolle die Heimat in der Literatur der tschechischen nationalen Wiedergeburt spielt, anhand einer Interpretation des Trauerspiels Angelina von František Turinský. Das Drama wird mittels des Bildes der abwesenden Heimat charakterisiert. Es wird in den Kontext des Zeitalters, der Themen und der wiedererweckenden Bemühungen eingegliedert. Auf der einen Seite ist Angelina ein typisches Beispiel der Wiedergeburtsliteratur, auf der anderen weist das Drama schon romantische Motive, Themen und Stimmungen auf.

This study answers the question of what role the idea of homeland played within the Czech National Revival, based on an interpretation of the tragedy Angelina (František Turinský). The concept of an absent homeland represents the drama’s main feature. The analysis deals with the historical context, epoch themes and revival efforts. On the one hand Angelina is a typical drama of the Czech National Revival, but on the other hand it shows motifs, themes and characteristics of Romanticism.

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Seiten: 245 – 252

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Astrid Winter
Der ‚deutsche‘ Mácha. Entwicklungslinien der deutschen-tschechischen Rezeptionsgeschichte Máchas
untersucht am Beispiel der Dichtung Máj
– The `German‘ Mácha: Aspects of the Czech and German reception history of the romantic poem Máj

Der Beitrag geht von dem Umstand aus, dass das Hauptwerk der tschechischen Romantik, K. H. Máchas Gedicht Máj (1836), zunächst bei einer deutschsprachigen und erst später bei einer tschechischsprachigen Leserschaft Anklang fand. Anhand der deutschen Máj-Übersetzungen wird die Frage untersucht, warum sich deutsche Übersetzer derart für ein Werk der tschechischen Literatur engagierten, dessen Verständnis sie mit enormen sprachkontrastiv-bedingten Problemen konfrontierte, und inwieweit ihre Übertragungen den Voraussetzungen der Mehrsprachigkeit und einer territorial bestimmten Identitätsbildung unterlagen.

This paper is based on the fact that the main work of Czech Romanticism, Karel Hynek Mácha’s poem Máj (1836), was well-received first by a German-speaking and only later followed by a Czech-speaking readership. By means of the German Máj translations questions are discussed regarding why the German translators engaged themselves to such an extent in a work of Czech literature, the comprehension of which confronted them with enormous linguistic complications as well as the extent to which their translations depended on the conditions of multilingualism and a territorially-determined identity in Bohemia.

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Seiten: 255 – 275

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Sabine Gruber
Johann Karl Liebich und die goldene Epoche des Prager deutschen Theaters
– Johann Karl Liebich and the Golden Age of German Theatre in Prague

Der Beitrag fragt danach, wie es Liebich gelang, das Prager Ständetheater zu einer der wichtigsten deutschsprachigen Bühnen zu machen und selbst zu einem der bedeutendsten Regisseure und Schauspieler seiner Zeit zu werden. Er kommt zu dem Schluss, dass Liebich dies vor allem deshalb möglich war, weil er eine neue Auffassung von der Schauspielkunst als ernst zu nehmender, beinahe ‚heiliger‘ Angelegenheit propagierte, sich für die Professionalisierung des Schauspielerberufs einsetzte und versuchte, den Schauspielern seiner Bühne eine sichere finanzielle Grundlage zu bieten, und weil er nicht nur auf angeborenes Talent baute, sondern es mit klugem Kalkül und intellektueller Bildung verband.

This article deals with the question of how Liebich managed not only to make the Prague Estates Theatre into one of the most important German language theatres, but also to become one of the most prominent directors and actors of his day. It concludes that he was able to do so, mainly because he propagated a new concept of acting as a serious, almost ‘sacred’ matter, because he committed himself to the professionalization of the actors’ career and tried to offer the actors of his stage a secure financial basis. He not only counted on inborn talent, but also combined it with clever calculation and cultural literacy.

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Seiten: 277 – 286

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Jitka Ludvová
Das Repertoire des Ständetheaters in Prag im 19. Jahrhundert.Das sogenannte Martinec-Verzeichnis
– The Repertory of the Estates Theatre in Prague in the 19th century: the so-called Martinec-List

Das sog. Martinec-Verzeichnis registriert – mit kleinen Lücken – das tägliche Repertoire des Prager Ständetheaters 1815-1856. Benannt wurde es nach seinem vermutlichen Verfasser František Martinec (1819-1879), der 1842-1879 als Souffleur am Ständetheater wirkte. Mit seinen 2 Bänden (ca 600 S.) stellt es die umfangreichste handschriftliche Quelle zur Geschichte des Ständetheaters in Prag dar. Die Eintragungen verzeichnen gekürzte Namen der Theaterstücke, Namen und Rollen gastierender Künstler, Benefizvorstellungen der einheimischen Ensemblemitglieder und besondere Ereignisse.

The so-called Martinec-List presents an almost continuous list of the everyday repertoire of the Prague Estates Theatre between 1815 and 1856. The name Martinec refers to its probable author František Martinec (1819–1879), who was the theatre prompter in 1842–1879. The two volume manuscript (approximately 600 pp.) provides the most complete source of the repertory of the Prague Estates Theatre. The list notes the abbreviated titles of the plays, the names and characters of the guest artists, the benefit performances of the ensemble members and special events.

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Seiten: 287 – 295

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Marek Nekula
Franz Zacharias Römisches Felsen-Pantheon in Kleinskal
– Franz Zacharias Römisch’s Pantheon in Kleinskal

Der Beitrag rekonstruiert u. a. anhand der zeitgenössischen Reise- und Gartenliteratur Bedeutungsschichten des Felsen-Pantheons in Kleinskal, das von Franz Zacharias Römisch im Norden Böhmens zu Beginn des 19. Jahrhunderts entworfen und umgesetzt wurde. Das Pantheon wird einerseits am Übergang von Klassik zur Romantik situiert, andererseits mit anderen zeitgenössischen Pantheons in Relation gesetzt, in denen ebenfalls Nationskonzepte verbildlicht, verhandelt und verwandelt wurden

Using contemporaneous travel and gardening literature this paper reconstructs the historical significance of the pantheon in Kleinskal, designed and realized by Franz Zacharias Römisch in the beginning of the 19th century in the north of Bohemia. It places this pantheon between Classicism and Romanticism and correlates it with other contemporaneous pantheons in which concepts of nations were visualized, negotiated and transformed.

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Seiten: 297 – 313

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Gertraud Marinelli-König
Literaturtransfer Prag – Wien (1800-1820)
– Transmission of literature between Prague and Vienna in the period 1800-1820

Nach Auswertung von Nachrichten, Notizen und Beiträgen in Wiener Unterhaltungsblättern und gelehrten Zeitschriften in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wird ein Blick auf literarische Beziehungen geworfen. Am Beispiel von K. J. Bernard (1786-1850) wird die literarische und journalistische Tätigkeit eines nach Wien „Übersiedelten“ rekonstruiert; Libussa fand in vielfältiger Weise Erwähnung; mit Wolfgang Adolf Gerle (1781-1846) wird gezeigt, dass dieser, wie so viele andere Schriftsteller aus den böhmischen Ländern auch, in der Wiener Presse präsent war.

This paper deals with the transmission of literature between Prague and Vienna, evidence of which is drawn primarily from a collection of Viennese journals and magazines. The example of Karl Joseph Bernard (1786-1850) – a native of Silesia who settled in Vienna – will highlight his career within literary and journalistic circles. Furthermore, it will be shown how the legendary figure Libussa found its way into the media. Last but not least, the paper deals with Wolfgang Adolf Gerle (1781-1846), a prominent writer of his time from Prague who contributed to Viennese periodicals and was acclaimed for his literary work in Vienna like so many other writers from the Bohemian lands.

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Seiten: 315 – 328

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Hana Stehlíková-Babyrádová
Das literarische Erbe der deutschen Romantik als Inspiration für tschechische bildende Künstler
– The literary heritage of German Romanticism as an inspiration for Czech artists

Der Text behandelt ausgewählte Werke tschechischer Künstler und ihre persönliche Weise, Prinzipien der Romantik in der Literatur zu verarbeiten im Hinblick auf die Beziehung zwischen der tschechischen und der deutschen Romantik als solche.

This text discusses the selected works of Czech artists and their personal manner of expressing the principles of romanticism in literature with regard to the relationship between Czech and German Romanticism as such.

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Seiten: 329 – 339

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Berichte 2014
Steffen Höhne, Anna-Dorothea Ludewig
Max Brod. Die ‚Erfindung‘ des Prager Kreises.
Bericht über eine internationale Konferenz in Prag, 26.-29. Mai 2014

Seiten: 343 – 350

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Lucie Jakubcová, Jana Dušek Pražáková
IV. Jahrgang der PRAGESTT (Konferenzbericht)

Seiten: 351 – 354

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Neue Literatur 2014
Rezensionen 2014

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Metzler Lexikon der deutsch-jüdischen Literatur.
Jüdische Autorinnen und Autoren deutscher Sprache von der Aufklärung bis zur Gegenwart.
Hrsg. von Andreas B. Kilcher.
(Steffen Höhne)
357

Michael Gassenmeier:
Robert Musils Roman ‚Der Mann ohne Eigenschaften‘ und seine künstlerische Rezeption in dem 1951 entstandenen Illustrationszyklus von Ernst Gassenmeier (1913-1952).
(Jürgen Joachimsthaler)
360

Melissa S. Lane, Martin A. Ruehl (ed.):
A Poet’s Reich. Politics and Culture in the George Circle.
(Arvi Sepp)
366

Kristina Lahl:
Das Individuum im transkulturellen Raum.
Identitätsentwürfe in der deutschsprachigen Literatur Böhmens und Mährens 1918-1938.
(Steffen Höhne)
370

Renata Cornejo, Sławomir Piontek, Izabela Sellmer, Sandra Vlasta (Hgg.):
Wie viele Sprachen spricht die Literatur?
Deutschsprachige Gegenwartsliteratur aus Mittel- und Osteuropa
(Roman Mikuláš)
372

Dimitry Shumsky:
Zweisprachigkeit und nationale Idee. Der Prager Zionismus 1900-1930.
(Steffen Höhne)
377

Edita Ivaničková, Miloš Řezník, Volker Zimmermann (Hgg.):
Das Jahr 1989 im deutsch-tschechisch-slowakischen Kontext
(Steffen Höhne)
381

Jakob Ebner:
Duden – Österreichisches Deutsch. Eine Einführung von Jakob Ebner.
(Dalibor Zeman)
383

Monika Rosenhammer, Alois Dicklberger, Daniel Nützel:
Atlas der deutschen Mundarten in Tschechien. Lautlehre 1: Kurzvokale.
Marek Halo, Richard Rothenhagen:
Atlas der deutschen Mundarten in Tschechien. Lexik 1: Pflanzen und Tiere.
(Boris Blahak)
386

Zeitschrift für Mitteleuropäische Germanistik.
1/2 (2011), 2/1-2 (2012); Hrsg. von Csaba Földes und Attila Németh.
3/1 u. 3/2 (2013); Hrsg. von Csaba Földes, Attila Németh und Gabriella Rácz.
(Steffen Höhne)
395