Alle Beiträge 2008
Václav Petrbok, Michael Wögerbauer
Litteratura Duplex. Ein Konzept der tschechischen und deutschen Literatur im Prag im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts
– Litteratura Duplex. A conception of Czech and German literature in Prague in the last third of the 18th century

Nationale Literaturgeschichte(n) werden traditionell in einen doppelten Rahmen eingeschrieben: den der Sprachnation und der ästhetischen Originalität. Die Studie unternimmt dagegen den Versuch, das mehrsprachige Prag am Ende des 18. Jahrhunderts als eine kulturelle Mikroregion mit einer zweifachen „Litteratura duplex“ zu beschreiben: ab 1760 kommt es zu einem wechselseitigen Kulturtransfer zwischen der internationalen, vielsprachigen Hochkultur und den wieder zu entdeckenden Landestraditionen, bei denen vor allem deutsch- und tschechischsprachige Schrifttraditionen aktualisiert werden. So entstehen schrittweise Strukturen einer kulturellen bzw. literarischen Öffentlichkeit, die sich vor allem auch an einfache Leserschichten wendet. Um 1800 zeichnen sich schon zwei Landesliteraturen ab, deren Charakteristika sich zunehmend von einander abheben, wenngleich langfristig noch die Parallelen zwischen ihnen überwiegen.

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Steffen Höhne
König Přemysl Ottokar II. Literarische Konstruktionen von Geschichte am Beispiel Böhmens
– King Přemysl Ottokar II. Literary constructions of history using the example of Bohemia

An Hand der Herrschergestalt Přemysl Ottokar II. soll gezeigt werden, wie sich eine bewusste Politiserung und Nationalisierung der Geschichte im Böhmen des 19. Jahrhunderts vollzog. Es wird dabei insbesonders auf Franz Grillparzer und Uffo Horn eingegangen.

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Hélène Leclerc
Carl Herloßsohns ‚Komet‘ in Leipzig (1830-1848):
eine Zeitschrift der Vermittlung zwischen Böhmen und Deutschland
– Carl Herloßsohns ‚Komet‘ in Leipzig (1830-1848):
a journal for intermediation between Bohemia and Germany

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Georg Schröer
„Verträumter Vormärzlicher“ zwischen Tradition und Emanzipation?
Leopold Kompert und seine Darstellung des Ghetto-Lebens böhmischer Landjuden
– „Verträumter Vormärzlicher“ between tradition and emanzipation?
Leopold Kompert and his description of the ghetto-life of bohemian jews

Dieser Beitrag befasst sich mit Leben und Werk des 1822 in Nordböhmen geborenen Schriftstellers Leopold Kompert, der als Pionier der Ghetto-Literatur gelten kann. Kompert schildert in seinen seit 1848 über mehrere Jahrzehnte erscheinenden Ghetto-Erzählungen – vor dem Hintergrund der sich im Zuge der Emanzipation auflösenden, traditionellen jüdischen Lebensverhältnisse und auch vor seinem eigenen biographischen Hintergrund – das Leben der böhmischen Landjuden im 19. Jahrhundert. Er liefert somit auch einen, durchaus im Kontext des Vormärz zu verortenden Kommentar zum Verlauf der jüdischen Emanzipation im Habsburgerreich.

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Karsten Rinas
Die andere Grenzlandliteratur. Zu einigen tschechischen Romanen mit antideutscher Tendenz
– The other ‚Grenzlandliteratur‘. About some czech novels with an anti-german tendency

In der Zeit zwischen den 1880er Jahren bis zur Annexion der ‘sudetendeutschen Gebiete’ an das Deutsche Reich wurden in der deutschsprachigen Literatur der böhmischen Länder zahlreiche Romane mit antitschechischer Tendenz verfasst, die das Genre der sogenannten ‘Grenzland-romane’ konstituieren. Diese Literatur kann als relativ gut erforscht angesehen werden. In demselben Zeitraum entstand aber auch in der tschechischen Literatur eine Reihe von Romanen mit antideutscher Tendenz, die in ihrer Thematik, ihrer Stoffgestaltung und ihrer einseitigen Parteinahme ein genaues Pendant zur ‘sudetendeutschen Grenzlandliteratur’ konstituieren. Diese tschechischen Werke wurden bislang nur selten untersucht, und sie sind noch nicht als Vertreter des Genres der Grenzlandliteratur wahrgenommen worden. In diesem Beitrag werden diverse tschechische Romane dieser Gattung vorgestellt, u.a. Werke von Alois Jirásek, Jan Klecanda, František Sokol-Tůma, Václav Beneš-Šumavský und Antonín Nečásek. Einige Charakteristika dieser Romane werden eingehender behandelt (Antisemitismus; Frauen-Darstellung). Schließlich werden Möglichkeiten deutsch-tschechischer komparatistischer Untersuchungen in diesem Genre skizziert, und es wird deren heuristischer Wert diskutiert.

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Vera Schneider
„Sing mir ein Heimatlied“: Musik, Gesang und nationale Identität in Prag um 1900.
Ein Lektüregang durch zeitgenössische literarische Texte …
– „Sing mir ein Heimatlied“: music, singing and national identity in Prague around 1900.
A view on reading of contemporary literary texts
Claudia Vitale
Franz Kafkas ‚Rede über die jiddische Sprache‘: Nomadismus und Vitalität der Sprache
– Franz Kafkas ‚Rede über die jiddische Sprache‘. Nomadism and vitality of the language

Die Jahre 1911-1912 sind diejenigen, in denen sich Kafka auf dem Höhepunkt seiner „jüdischen Wiedergeburt“ befand. Die in einer einzigen Nacht zügig geschriebene Rede über die jiddische Sprache (18. Februar 1912), stellt den Gipfel dieser Wiedergeburt und der Aufwertung der jiddischen Kultur dar. Das Jiddische wirkte bei Kafka gleichzeitig ästhetisch und existentiell: Er projizierte auf es nicht nur sein Streben nach einer Befreiung von der Assimilation, sondern auch sein Vertrauen in die eigene Kunst und Kreativität. Als mündliche Sprache, die vor allem aus Klang besteht, ist das Jiddische immer „Im Werden“; es bewegt sich ständig als nomadische Kreatur. Als lebendiger “Organismus” hat sich das Jiddische im Einklang mit Natur und Geschichte entwickelt und ist Ausdruck des Lebens an sich. Das Jiddische aufzuwerten und es ein ein “emotionales” Erlebnis zu verwandeln bedeutet also den authentischsten Sinn der Sprache an sich zurückzugewinnen, die Sprache zu sich selbst zurückzuführen und sich mit der deutschen Sprache Goethes – zum einzigen und letzten Mal – zu versöhnen.

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Jindra Broukalová
Zur Analyse von Informationsübermittlung in Ludwig Winders Roman ‚Der Thronfolger.
Ein Franz Ferdinand Roman‘
– About analysing of information transfer in Ludwig Winders novell ‚Der Thronfolger.
Ein Franz Ferdinand Roman‘

In dem vorliegenden Artikel soll vorrangig nicht die Frage beantwortet werden, welche Informationen Winder für die Darstellung von Franz Ferdinands Persönlichkeit und Leben ausgewählt hat, sondern auf welcher Art und Weise die Informationen in dem Text des Romans ‚Der Thronfolger‘ dargestellt werden.

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Romana Bečvová
„Beteiligt Euch – es geht um Eure Erde.“
Erika Manns politisch-satirisches Kabarett ‚Die Pfeffermühle‘ in der Tschechoslowakei
– „Beteiligt Euch – es geht um Eure Erde.“
The political-satirical cabaret ‚Die Pfeffermühle‘ of Erika Mann in Czechoslovakia

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit einem Thema, das im Zusammenhang mit dem politisch-satirischen Kabarett die Pfeffermühle bis jetzt nicht genug ausgearbeitet wurde. Es wird die Tätigkeit eines antifaschistischen deutschen Kabaretts der Vorkriegzeit in der Tschechoslowakei untersucht – in einem Land, wo es eine starke deutsche Minderheit gab, sowie eine große Anhängerschaft für die nationalsozialistische Partei des Sudetenlandes. In der Zeit, als in der Tschechoslowakei die „Pfeffermühle“ spielte, galt die von durchwegs totalitären Staaten umringte Republik als eines der wenigen europäischen Länder, das sich den Emigranten geöffnet hatte, und war eine beliebte Gastspielstadt. Ich konzentrierte mich u. a darauf, wie die Presse und das Auditorium reagierte, welchen Erfolg das Kabarett hatte und mit welchen Problemen es sich auseinandersetzen musste.

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Markéta Říhová
„Immer wird mir das Leben ein Spiel mit Wundern sein.“
Thomas Theodor Heines erste Exiljahre in der Tschechoslowakei
– „Immer wird mir das Leben ein Spiel mit Wundern sein.“
The first years of exile in Czechoslovakia of Thomas Theodor Heine

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Veronika Siska
Sind Tschechen notorische Opfer?
Ein tschechisches Autostereotyp in der Prosa von Libuše Moníková und den Stücken des Jára-Cimrman-Theaters
– Are Czechs notorius victims?
A czech autostereotype in the prose of Libuše Moníková and the works of Jára-Cimrman-theater

Das tschechische Autostereotyp, immer Opfer fremder Herrscher zu sein, lässt sich sowohl in den Prosatexten der Exilschriftstellerin Libuše Moníková als auch den Theaterstücken des Jára-Cimrman-Theaters nachweisen. In den Texten von Moníková und Cimrman setzt sich das Stereotyp aus der Betonung der Tatsache zusammen, dass Böhmen zu den kleineren Staaten Europas gehört, dem Mythos von der permanenten Niederlage des tschechischen Volkes sowie der Behauptung, dieses hätte nach den Niederlagen gelitten. Mithilfe des semiologischen Ansatzes von Roland Barthes, den dieser in seinem Werk Mythen des Alltags (1964) darlegt, zeichnet der Aufsatz die Konstruktion des Autostereotyps nach und zieht abschließend das Fazit, dass es in den Texten beider Autoren sowohl affirmiert als auch dekonstruiert wird.

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Christian Schramek
Kulturstandards als Faktor der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit?
Zur Wahrnehmung des fremdkulturellen Interaktionspartners in der Euregio Egrensis
– Cultural standards as a factor of transboundary cooperation?
About the perception of the foreign interaction partners in the Euregio Egrensis
Boris Blahak
„Sprache des Kopfes“ – Deutsch als fachbezogene Fremdsprache in Grenzregionen.
Bericht über eine intern. Konferenz (Wirtschaftsuniversität Bratislava)
– („Sprache des Kopfes“ – German as subject-based foreign language in border areas.
A report about an international conference (Bratislava)
Oliver Engelhardt
Nationale Zuordnungen (in) einer Firma in der Tschechischen Republik
– National assignments (in) a company in the Czech Republic

Diese ethnographische Studie zeigt, wie Mitarbeiter eines deutschen Industriebetriebs in der Tschechischen Republik nationale Zuordnungen für die Bestimmung der Identität des Betriebs und seiner Mitarbeiter benutzen. Mit Methoden der Konversationsanalyse werden mehrere Interviews ausgewertet. Während in ähnlichen Studien die Vermeidung nationaler Kategorien zu Gunsten einer die nationale Polarisation überwindenden Kategorisierung beschrieben wurde, zeigt dieser Artikel, dass häufig mehrfache nationale Zuordnungen verwendet werden. In der globalisierten Wirtschaft multinationaler Unternehmen scheint eine Notwendigkeit für eine differenzierte Identitätsbestimmung gegeben zu sein. Zugleich erlauben mehrfache nationale Kategorien eine Flexibilität in der Argumentation. Für die Identität der Mitarbeiter sind nationale, sprachliche und fachliche Gesichtspunkte besonders wichtig. Aus der Perspektive der jeweils eigenen Position betonen die Mitarbeiter im Hinblick auf ihre Kollegen Differenzierungen, distanzieren sich oder verallgemeinern. Sie zeugen von einem vielfältigen sozialen Gefüge, in dem die Nationalität nur eine von mehreren Kategorien für die Zuordnung zu bestimmten Gruppen ist.

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